Warum freuen sich Rentiere nicht über wärmere Winter?
Vor ein paar Wochen hat es in Leipzig geschneit. Nicht viel, aber Mika und ich haben uns tierisch gefreut, die Weihnachtszeit mit etwas Schnee einläuten zu können. Später gab es dann leider nur noch Pfützen… Trotzdem haben wir einen Spaziergang gemacht. Ich mit roter Weihnachtsmütze und Mika mit einer Rentiergeweihkrone. Das sah vielleicht niedlich aus. Während wir im Wald nach den letzten kleinen Schneeresten suchten, trafen wir eine junge Frau, die ebenfalls einen Sonntagsspaziergang machte.
„Ihr seht aber klasse aus“, sagte sie. Und: „Da, wo ich herkomme, sind die Rentiere aber ein bisschen größer.“
Da wurden Mika und ich aber neugierig und ich fragte sofort nach. Es stellte sich heraus, dass die Frau aus Nordskandinavien, aus Lappland, kam.
„Meine Familie gehört zu den Ureinwohnern Skandinaviens, den Samen“, erklärte sie. „Wir leben von der Rentierzucht. Schon seit Generationen ist das ein wichtiger Teil unserer Kultur.“
Die meisten Rentiere in Skandinavien, so sagte sie, leben nur halbwild und gehören jemandem, meistens einer samischen Familie. Das wusste ich ja gar nicht. Ich fragte sie, ob sie mir mehr über Rentiere erzählen könnte. Schließlich war ja bald Weihnachten und es gibt wohl kaum ein Tier, das ich mehr mit der Weihnachtszeit verbinde. Und was die Frau uns erzählt hat, möchte ich nun gerne euch erzählen.
Sie berichtete, dass Rentiere zu den Hirschen gehören und einmal rund um die Arktis leben. In Kanada und Alaska heißen sie Karibus und sind etwas größer. Auf Spitzbergen dagegen gibt es besonders kleine, flauschige Rentiere.
Im Sommer leben die Rentiere in kleineren Gruppen in den Bergen, wo es genug zu fressen gibt. Wenn es kälter und dunkler wird, ziehen sie weiter nach unten in den Wald, wo sie unter dem Schnee nach Flechten und Moosen suchen. Das ist sehr anstrengend, weshalb sich die Rentiere im Winter nicht so viel bewegen.
Und dann hat die Frau noch etwas gesagt, was Mika und mich wirklich überrascht hat. Für die Rentiere ist es nämlich gar nicht gut, dass es im Klimawandel immer wärmer wird. Man könnte ja denken, dass weniger Schnee die Futtersuche leichter macht. Das Problem ist aber, wenn es dann regnet. Der Regen gefriert auf dem Schnee und die Rentiere können die Eisschicht nicht durchbrechen. Sie kommen also nicht mehr an ihr Futter! Das gleiche kann auch passieren, wenn der Schnee anschmilzt und wieder gefriert. Zum Glück gibt es dann die Samen, die die Tiere zufüttern.
Ein weiteres Problem ist auch, wenn die Flüsse und Seen, die die Rentiere überqueren müssen, um zu ihren Winterweiden zu kommen, nicht zugefroren sind. Das kann ganz schön gefährlich werden, vor allem für junge Rentiere.
„Gut, dass die Rentiere ihre Menschen haben“, dachte ich, „die sie führen und auf sichere Wege bringen können.“
Irgendwann merkten wir, wie kalt es geworden war. Ohne Rentierfell fror ich viel schneller als die Tiere. Also verabschiedeten wir uns von der Frau, und liefen nach Hause, wo uns schon eine heiße Schokolade erwartete.
„Ich hoffe, bei den Rentieren in Lappland ist es gerade richtig kalt und sie finden richtig viel Futter.“, sagte ich zu Mika und schlürfte meinen Kakao.
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Text & Fotos: Hannah Sundermann, Illustration: Patrizia Schoch


