Hat jemand den Himmel blau angemalt?

Heute habe ich etwas herausgefunden, das ich unbedingt in mein Tagebuch schreiben muss. Es ist mir nämlich beim Rausgucken aus dem Fenster aufgefallen: Der Himmel war strahlend blau – kein einziges Wölkchen war zu sehen.

Da habe ich mich gefragt: Warum ist der Himmel eigentlich blau?

Er könnte ja genauso gut grün sein wie die Wiese, rosa wie Zuckerwatte oder gelb wie die Sonne. Aber nein – fast immer ist er blau. Warum?

Beim Mittagessen fragte ich Mika: „Hast du dich das eigentlich schon mal gefragt?“

Er schaute kurz nach oben und zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung“, sagte er, „vielleicht ist der Himmel einfach angemalt?“

Ich musste lachen. Aber so einfach konnte es ja nicht sein.

Also habe ich nachgeforscht – und die Antwort ist richtig spannend!

Zuerst einmal: Das Licht der Sonne ist gar nicht nur eine Farbe. Es sieht für uns weiß aus, aber eigentlich ist es eine Mischung aus ganz vielen Farben. Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau und Violett sind alle im Sonnenlicht versteckt, so wie verschiedene Bonbons in einer bunten Tüte. Die Farben sind wie Wellen und jede hat andere Eigenschaften. Manche sind langsam und lang, andere kurz und ganz flink.

Auf dem Weg von der Sonne zur Erde muss das Licht durch die Luft fliegen. Und in dieser Luft schweben unzählige winzige Teilchen – Luftmoleküle, die wir nicht sehen können. Die sind so klein, dass sie für das Licht wie kleine Hindernisse wirken.

Und jetzt kommt das Lustige:

Diese Luftteilchen stoßen nicht alle Farben gleich stark an. Vor allem das blaue Licht – und auch das Violette – wird besonders leicht zur Seite geschubst. Das liegt daran, dass blaues Licht sehr kurze, schnelle Wellen hat. Die Luftmoleküle bringen dieses Licht richtig durcheinander und schicken es kreuz und quer durch die Atmosphäre.

Man nennt das Streuung.

Egal, in welche Richtung wir schauen – von oben, von der Seite oder weit in die Ferne – überall kommt blaues Licht in unsere Augen. Und deshalb sieht für uns der ganze Himmel blau aus.

„Aber Moment“, fragte ich mich, „wenn auch violettes Licht gestreut wird – warum ist der Himmel dann nicht violett?“

Das liegt daran, dass unsere Augen Blau besser sehen können als Violett. Außerdem kommt von der Sonne ein bisschen mehr blaues als violettes Licht bei uns an. Deshalb gewinnt Blau am Ende das Farbenrennen.

Abends passiert dann etwas ganz anderes. Wenn die Sonne untergeht, steht sie nicht mehr hoch über uns, sondern ganz tief am Horizont. Das Licht muss jetzt einen viel längeren Weg durch die Luft zurücklegen. Auf diesem langen Weg wird das blaue Licht fast komplett zur Seite gestreut und kommt gar nicht mehr direkt bei uns an.

Die langsameren Farben – Rot, Orange und Gelb – schaffen es aber noch durch die dicke Luftschicht. Sie werden weniger stark herumgewirbelt und erreichen unsere Augen. Deshalb leuchtet der Himmel beim Sonnenuntergang oft rot, orange oder sogar pink.

Als ich das alles verstanden hatte, erklärte ich es Mika noch einmal:

„Der Himmel ist blau, weil das blaue Licht von der Sonne in der Luft am meisten gestreut wird. Abends bleibt davon fast nichts mehr übrig – dann sehen wir die roten Farben.“

Mika nickte langsam. „Also ist der Himmel gar nicht wirklich blau“, sagte er, „sondern das Licht wird nur durcheinandergeworfen?“

„Genau!“, antwortete ich stolz.

Seitdem schaue ich ganz anders in den Himmel. Jedes Mal, wenn ich das Blau sehe, stelle ich mir vor, wie winzige Luftteilchen mit Licht Fangen spielen – und wie das blaue Licht lachend durch die Luft wirbelt.

Ziemlich cool, oder?

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Text: Lars van Gelder, Illustration: Patrizia Schoch

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