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Arktische Blumen
Heute haben Mika und ich beschlossen, vor dem Einschlafen eine Geschichte über eine Königin zu lesen, die Blumen liebte.
„Es waren einmal, in einem fernen Land, eine Königin und ein König. Der König liebte die Königin von ganzem Herzen, doch seit vielen Monaten war die Königin unglücklich. Sie lächelte nicht mehr und das bereitete dem König große Sorge.
Eines Tages rief er seine Minister und Ministerinnen zu sich und fragte: „Wie kann ich das Lächeln der Königin zurückbringen?“
Eine weise Ministerin trat vor. „Eure Majestät, die Königin liebt ihren Garten. Aber viele Blumen verwelken. Ich glaube, eine ganz besondere Blume fehlt.“
„Wo können wir sie finden?“, fragte der König.
„Im hohen Norden“, sagte die Ministerin, „in der Arktis – ein Gebiet aus Eis und Schnee. An seltenen Orten, wenn das Eis im Sommer schmilzt, wachsen winzige, sternförmige Blumen. Sie sind kräftig und blühen schnell, aber sie halten nicht lange.“
„Dann müssen wir uns beeilen!“, sagte der König.
Sofort machten sich tapfere Reiter und Reiterinnen auf den Weg durch kalte Landschaften und eisige Winde. Endlich erreichten sie eine arktische Oase und fanden die kleinen, leuchtenden Blumen. Vorsichtig brachten sie sie zurück.
Die Ministerin pflanzte sie im Garten ein und vervollständigte so den großen Blumenkreis. Langsam erwachte der Garten wieder zum Leben – die Farben kehrten zurück und die Blüten öffneten sich erneut.
Der König brachte die Königin in den Garten und ihre Augen funkelten als sie die Blumen sah. Und endlich lächelte sie wieder.“
Das war eine wirklich schöne Geschichte. Mika lächelte und sagte: „Weißt du, Mia, die Arktis steckt voller kleiner Wunder – nicht nur Blumen an Land, sondern auch im Meer. Es gibt dort ganz kleine Pflanzen, die man Phytoplankton nennt. Man kann sie nicht so leicht sehen, aber sie sind sehr wichtig. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen beobachten sie schon seit vielen Jahren und haben festgestellt, dass es an manchen Orten, wie zum Beispiel in der Framstraße, mittlerweile immer mehr dieser winzigen Pflanzen gibt – vor allem die ganz kleinen. Wenn viele von ihnen zusammenwachsen, können sie sogar beeinflussen, wie hell oder dunkel die Meeresoberfläche aus dem Weltraum aussieht. Ist das nicht erstaunlich? Selbst die kleinsten Dinge können einen großen Unterschied machen!“
Text: Xinyuan Zhou, Illustration: Patrizia Schoch, Übersetzung: Sophie Vliegen