Was ist eine Glorie und wie entsteht sie?
Mia und Mika sitzen gerade zusammen und schauen sich Fotos von einer ihrer letzten Reisen an. Auf diesen Reisen sind sie häufig mit dem Flugzeug HALO unterwegs gewesen, um durch Wolken zu fliegen und sie dabei genauer zu untersuchen. Mia und Mika wissen, dass Fliegen nicht gut für die Umwelt ist. Doch es gibt nur wenige andere Möglichkeiten, Wolken so genau zu vermessen.
Wenn sie also mit dem Flugzeug unterwegs sind, dann schauen sie gerne aus dem Fenster und genießen die vorbeiziehende Landschaft. Gerade beim Start und bei der Landung gibt es viel zu sehen: Felder und Wiesen. Wege und Straßen, die Dörfer und Städte verbinden. Doch nach wenigen Minuten ist das Flugzeug schon so hoch, dass alle Städte zu kleinen Punkten werden. Oft ist das Flugzeug auch über einer weißen Decke aus Wolken.
„Das ist dann immer soooo langweilig.“, meint Mia.
Mika schaut sie verwundert an und entgegnet sofort: „Das stimmt doch gar nicht! Da kann man immer noch so viel entdecken. Kannst du dich denn nicht mehr an die Bilder erinnern, die ich dir letztens gezeigt habe? Die Bilder mit den bunten Kreisen auf der Wolke?“ Da fällt es Mia auch wieder ein: „Ach ja, genau. Aber wie entstehen eigentlich diese Ringe? Das hattest du mir nicht erklärt. Gibt es einen Namen dafür?“
„Die Erscheinung mit den Ringen nennt man eine Glorie.“, beginnt Mika zu erklären. „Das sind mehrere farbige Ringe, die man unter bestimmten Bedingungen auf einer Wolke sehen kann. Sie tauchen immer genau gegenüber der Sonne auf. Dann steht die Sonne hinter dir und die Wolke vor dir und du bist genau dazwischen.
Im Inneren der Ringe findet man einen hellen Fleck, umgeben von einem ersten dunkleren Ring. Darum herum sieht man blaue, grüne und rote Ringe. Danach kommt wieder ein weißer Ring und dann erscheinen die Farben in umgekehrter Reihenfolge. Meistens sieht man nur ein oder zwei solcher bunten Ringe. Wenn man Glück hat aber auch mehr.“
Mia wird nun ungeduldig und fragt: „Aber wodurch entstehen denn diese Ringe?“
Mika fängt an ausführlich zu erklären: „Zunächst braucht man eine Wolke mit Wassertropfen an der Oberseite. Bei einer Wolke aus Eiskristallen funktioniert es nicht. Somit wissen wir, dass die Wolke auf dem Foto aus Wassertropfen bestand. Was dann im Detail passiert, darüber sind sich die erfahrenen Leute auch nicht ganz sicher. Zwar kann man ausrechnen, was mit den ankommenden Sonnenstrahlen passiert, aber das ist sehr kompliziert. Ich versuche es einmal ganz einfach zu erklären. Die ankommenden Sonnenstrahlen treffen auf den Tropfen, werden mehrfach an seinem Rand abgelenkt und überlagern sich.
Aber jetzt wird es verrückt. Ein kleines Stückchen wandert der Sonnenstrahl auch auf der Oberfläche des Wassertropfens entlang. Beide Effekte zusammen sorgen dafür, dass der Lichtstrahl fast in Richtung Sonne und in deine Augen gelenkt wird. Und das passiert nicht nur bei einem Tropfen, sondern bei ganz vielen. Alle müssen ähnlich groß sein und zusammen sorgen sie für die Entstehung der Kreise. Die Tropfen sind nur wenige Mikrometer klein, also viel dünner als ein Haar von dir.“
Mia sagt erstaunt: „Das sind aber kleine Tropfen und irgendwie klingt das alles ganz schön kompliziert.“
„Ja, das ist wahr.“, stimmt Mika zu, „Und lange war man sich gar nicht so sicher, wie eine Glorie entsteht. Aber weißt du, was das Beste ist? Auch wenn wir nicht ganz genau wissen, was passiert, so können wir uns dennoch daran erfreuen, wenn wir beim nächsten Mal eine Glorie sehen.“ Da stimmt Mia zu: „Wenn wir das nächste Mal mit dem Flugzeug unterwegs sind, werden wir mal genau aufpassen und nach einer Glorie Ausschau halten. Vielleicht sehen wir ja noch andere optische Phänomene. Es gibt bestimmt noch viel mehr zu entdecken.“



Text: Kevin Wolf, Illustration: Patrizia Schoch