Was passiert mit dem warmen Wasser im arktischen Ozean?

„Hast du dir eigentlich schon einmal Gedanken über den Arktischen Ozean gemacht, Mika?“, fragte ich. „Ich habe neulich gelesen, dass ganz viel warmes Wasser aus dem Nordatlantik in die Arktis fließt. Aber wie warm ist das Wasser eigentlich in der Arktis und müsste warmes Wasser nicht dazu führen, dass das ganze Meereis schmilzt?“

„Ja, du hast recht“, antwortete Mika. „Warum ist das nicht so?“

„Ich habe dazu mal meine Freundinnen und Freunde der Uni Bremen gefragt und sie haben mir das Ganze erklärt“, fing ich an zu erzählen. „Das meiste warme Wasser fließt durch die Framstraße in den Arktischen Ozean. Die Framstraße liegt zwischen Grönland und Spitzbergen. Dort ist das Wasser etwa 4°C warm. Das ist warm genug damit sich dort kein Meereis bildet, aber definitiv zu kalt zum Schwimmen. Von da aus strömt das warme Wasser gegen den Uhrzeigersinn durch die Arktis und kühlt sich immer weiter ab. Kaltes Wasser verlässt die Arktis durch die Framstraße, entlang von Grönland, wieder und strömt in Richtung Atlantik.“

„Aber wohin geht denn die Wärme und müsste da nicht das Meereis schmelzen?“, fragte Mika.

„Sehr gute Frage“, erwiderte ich, „oberhalb von diesem warmen Wasser bildet sich eine Schicht aus sehr kaltem und salzarmem Wasser, das leichter ist als das warme salzreiche Wasser aus dem Nordatlantik. Diese Schicht entsteht durch das Schmelzen von Meereis, Niederschlägen und Wasser aus Flüssen, die an den Arktischen Ozean grenzen.“

„Diese Schichtung ist sehr stabil“, erklärte ich weiter, „und es gibt wenig Mischung zwischen dem warmen und dem kalten Wasser, da deren Dichte sehr unterschiedlich ist. Die Dichte beschreibt wie schwer Wasser ist. Je höher die Dichte, desto schwerer das Wasser. Wie schwer Wasser ist, hängt von der Temperatur und dem Salzgehalt ab. Je kälter und salzreicher das Wasser ist, desto dichter und somit schwerer ist es.“

„In der Arktis ist das Salz hauptsächlich dafür verantwortlich, dass das warme Wasser schwerer als das kalte salzarme ist und deswegen nicht an die Oberfläche gelangt.“, stellte ich klar. „Das warme Wasser ist in solchen Bereichen daher von der Oberfläche und damit auch vom Meereis isoliert. Daher trägt es nur sehr wenig zum Schmelzen von Meereis bei. Auf dem Weg durch die Arktis vermischt sich das warme Wasser horizontal mit kälterem Wasser und kühlt somit immer weiter ab.“

Etwas niedergeschlagen, fügte ich hinzu: „Mit fortschreitender Erwärmung der Arktis und der Erderwärmung allgemein kann sich das Ganze aber ändern. Zum Beispiel im Atlantik ist die Schichtung nicht so stark wie in der Arktis und es gibt mehr Austausch mit der Meeresoberfläche. Mit solchen Bedingungen im Arktischen Ozean könnte die Wärme besser die Meeresoberfläche erreichen und somit das Meereis zum Schmelzen bringen.“

„Das ist ja interessant! Dann ist ja eine große Menge an Wärme, die ziemlich viel Meereis schmelzen könnte, im Arktischen Ozean gespeichert!“, schlussfolgerte Mika.

„Genau!“, sagte ich. „Deswegen ist es wichtig, die ganzen Prozesse der Vermischung und der Wärmeflüsse zu verstehen, um auf eventuelle Veränderungen vorbereitet zu sein.“

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Karte des Arktischen Ozeans © Lara Aschenbeck

Text: Lara Aschenbeck

Illustration: Patrizia Schoch, Veröffentlichung und Editorial: Sophie Rosenburg

Kommunikation: Beril Aydin, Barrierefreiheit: Sophie Vliegen, Social Media: Komal Navale, Webseitenpflege: Patrizia Schoch

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