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Wo ist die Wolke plötzlich hin?

Heute haben Mika und ich mit meinen Eltern einen Spaziergang gemacht. Der Himmel war blau und ein paar weiße Wolken waren zu sehen. Ich liebe es, wenn sie verschiedene Formen haben. Manchmal sehen sie aus wie Tiere oder wie ein großer Eisberg. Eine Wolke sah sogar ein bisschen aus wie Mika!

Bei einer Pause auf einem Spielplatz haben Mika und ich vor lauter Klettern und Rutschen die Wolken für eine Weile vergessen. Als wir dann aber weitergegangen sind und wieder in den Himmel geschaut haben, waren die Wolken weg. Einfach verschwunden. Gerade waren sie doch noch da! Wo sind die Wolken plötzlich hin?

Die Frage hat mich den ganzen Spaziergang nicht losgelassen, also haben wir auf dem Weg nach Hause ein tolles Buch über Wolken aus der Bücherei ausgeliehen. Zuhause angekommen, habe ich sofort angefangen nachzuforschen. Dabei habe ich herausgefunden, dass Wolken aus unendlich vielen winzig kleinen Wassertröpfchen oder Eiskristallen bestehen – so klein, dass man sie einzeln gar nicht sehen kann.

Wenn warme, feuchte Luft nach oben steigt, wird sie immer kälter. Irgendwann kann die Luft den Wasserdampf nicht mehr festhalten. Dann setzt er sich an winzig kleine Staubteilchen in der Luft. Das nennt man Kondensation. Aus dem unsichtbaren Wasserdampf werden kleine Tröpfchen – und zusammen sehen wir sie dann als Wolke am Himmel.

Aber Wolken sind nichts Festes. Wenn die Luft wieder wärmer oder trockener wird, lösen sich die Tröpfchen wieder auf. Sie werden unsichtbar und mischen sich wieder mit der Luft. Die Wolke ist dann nicht wirklich weg – sie hat sich einfach aufgelöst. 

Das ist ein bisschen wie beim Nebel am Morgen. Erst ist alles grau, und dann scheint die Sonne, und der Nebel löst sich auf. Wolken machen das genauso – nur hoch oben am Himmel.

Manchmal verschwinden Wolken aber auch aus einem ganz anderen Grund: Der Wind schiebt sie einfach weiter. Dann ziehen sie an einen anderen Ort, wie auf eine kleine Reise. Von hier aus sieht es so aus, als wären sie weg, dabei sind sie nur umgezogen.

Jetzt weiß ich: Wenn Wolken verschwinden, sind sie nicht einfach weg. Sie lösen sich auf oder ziehen weiter. Und vielleicht kommen sie schon bald zurück – als neue Wolken mit neuen Formen, die Mika und ich wieder entdecken können.

Text: Lena Bruder, Illustration: Patrizia Schoch

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