Lass dir den Beitrag vorlesen
Roter Himmel in der Arktis – Wie entsteht er?
Heute sind Mika und ich mit Christian Buhren verabredet. Wir hatten uns erst neulich in einem Eiscafé kennengelernt, als es draußen gehagelt hatte. Er war vor einiger Zeit auf einer Forschungsreise in Ny-Ålesund und hat dort ein außergewöhnliches Phänomen am Himmel beobachtet: einen intensiv roten Himmel mitten in der Polarnacht. Mika und ich wollten natürlich unbedingt wissen, wie so etwas entstehen kann.
Er zeigte uns seine Fotos, und da sahen wir es tatsächlich: Ein roter Himmel in der Arktis. Das sieht unfassbar aus! Wie kann das denn sein? Während wir die Bilder betrachteten, erklärte Christian uns, wie es zu diesem Phänomen gekommen war.
Zunächst einmal muss es super kalt sein, und zwar mindestens unter -80°C. Allerdings nicht hier am Boden, sondern in großen Höhen zwischen 20 und 30 Kilometern. Ich erinnere mich, dass in dieser Höhe bereits die Stratosphäre liegt. Eine Schicht darunter liegt die Troposphäre, wo unser Wettergeschehen stattfindet. Christian meinte, dass zu dem Zeitpunkt als er dort gewesen war, die Temperatur in der Stratosphäre bei unter -95°C lag. Wahnsinn! Bei dem Gedanken daran, dass es dort oben so kalt sein kann, wurde mir selbst auf einmal kalt. Als ich zu Mika schaute, sah ich, dass er leicht zitterte, als wäre ihm auch kalt geworden.
Wenn die Temperaturen so niedrig sind, können bestimmte Wolken entstehen: Polare Stratosphärenwolken. Sie bestehen aus vielen winzigen Partikeln, zum Beispiel aus Eis oder aus Säurekristallen. Diese Wolken bilden sich viel höher als normale Wolken und können deshalb noch Sonnenlicht abbekommen, obwohl die Sonne am Boden gar nicht mehr über den Horizont steigt.
Das Sonnenlicht legt bei so niedrigem Sonnenstand einen sehr langen Weg durch die Atmosphäre zurück. Dabei wird vor allem das blaue Licht stark herausgestreut. Übrig bleibt eher rötliches, orangefarbenes oder violettes Licht. Wenn dieses Licht dann auf die winzigen Partikel der polaren Stratosphärenwolken trifft, wird es gestreut und kann für einen intensiv roten oder violetten Himmel sorgen.
Das erinnerte mich sofort an Sonnenaufgänge und Sonnenuntergänge. Da steht die Sonne auch nah am Horizont und der Himmel färbt sich orange oder rot. Diese polaren Stratosphärenwolken können also für ganz außergewöhnliche Phänomene verantwortlich sein.
Wir saßen noch eine ganze Weile mit Christian zusammen und lauschten gespannt seinen Erzählungen. Dabei zeigte er uns weitere Bilder von seinem arktischen Abenteuer. Ich hätte nie gedacht, dass die Atmosphäre so farbenfroh sein kann — selbst dann, wenn die Sonne eigentlich gar nicht aufgeht.
Text & Bilder: Christian Buhren, Illustration: Patrizia Schoch

