Wie behält man vor lauter Zahlen den Blick für das Wesentliche?

Kürzlich habe ich Dörthe Handorf vom Alfred-Wegner-Institut interviewt. Sie begeistert sich genause für Zahlen wie ich. 🙂

Dörthe, kannst Du bitte kurz etwas über Dich erzählen?

Ich bin Meteorologin und habe das Glück, schon 30 Jahre über das Klima in den Polargebieten forschen zu können, sowohl in der Antarktis als auch in der Arktis. Dafür analysiere ich viele gemessenen Daten und versuche die Prozesse, die sich in den Daten „verstecken“, mit Klimamodellen besser zu verstehen. In den letzten Jahren haben wir angefangen, auch den Einfluss der Klimaänderungen in der auf weit entfernte Regionen der Erde, z. B. auf Mitteleuropa, zu untersuchen. Mit diesem Thema bin ich dann zu (AC)³ gekommen. Da meine Forschungsarbeiten meistens am Computer und Schreibtisch stattfinden, bin ich als Ausgleich in meiner Freizeit sehr gerne draußen, am liebsten auf dem Rad, aber auch wandernd am Meer oder in den Bergen. Es ist mir auch sehr wichtig, Zeit mit meiner Tochter, meiner Familie und meinen Freund:innen zu verbringen.

Was machst Du so im (AC)³ Projekt?

Im (AC)³ Projekt untersuchen wir die Klimaänderungen in der und wie diese unser Wetter und Klima in den mittleren Breiten und auch deren Extreme beeinflussen. Dabei wollen wir speziell die zugrunde liegenden Prozesse in der Atmosphäre besser verstehen. Das ist wichtig, um zukünftige Klimaänderungen in den mittleren Breiten zuverlässiger abschätzen zu können. Im Gegensatz zu vielen (AC)³ Projekten, in denen direkt in der Arktis gemessen wird, nutzen wir diese Daten und arbeiten mit Klimamodellen.

Wie und wann kam Deine Begeisterung für Wissenschaft?

Mein Weg in die Forschung begann schon in der Schule. Sehr früh habe ich den Spaß und das Interesse an der Mathematik und den Naturwissenschaften entdeckt, habe an Matheolympiaden teilgenommen und habe ab der 8. Klasse in einer mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse lernen können. So entstand auch mein Wunsch, zu studieren. Auch das Studium hat mich begeistert, insbesondere in der Diplomarbeitsphase konnte ich an Expeditionen teilnehmen und habe die dabei gesammelten Daten in meiner Diplomarbeit ausgewertet. Deshalb wollte ich nach meinem Studium diese wissenschaftliche Arbeit mit einer Promotion fortsetzen. Darüber habe ich den Weg in die Forschung gefunden.

Wie behält man vor lauter Zahlen den Blick für das Wesentliche?

Für mich ist es wichtig, immer wieder daran zu denken, dass die kleinen Puzzleteile, die wir herausfinden, zu einem besseren Verständnis der arktischen als auch der globalen Klimaänderungen beitragen. Dabei hilft uns der Austausch mit den anderen (AC)³ Projekten. Und als (AC)³ Projekt müssen wir dieses Wissen auch nach außen sichtbar machen, damit wir als Gesellschaft gemeinsam daran arbeiten, Klimaschutzmaßnahmen schnell umzusetzen.

Würdest Du in der /Antarktis gerne einmal überwintern?

Ich hatte vor 20 Jahren das Glück, für 6 Wochen auf Spitzbergen Messungen durchzuführen. In dieser Zeit habe ich u. a. Wetterballone gestartet. Diese Wochen während des Übergangs von der Tag-und-Nacht-Gleiche zur Polarnacht waren großartig. Wenn mir damals diese Frage gestellt worden wäre, hätte ich sofort „Ja!“ gesagt. Heute, in einem anderen Lebensabschnitt, würde ich nicht mehr sofort „Ja“ sagen. Aber an einer mehrwöchigen Messkampagne in der oder Antarktis möchte ich gerne noch einmal teilnehmen.

Wenn Du nicht Meteorologin geworden wärst, wie hätte Dein Berufsweg verlaufen können?

Auf alle Fälle hätte ich etwas Mathematisch-Naturwissenschaftliches gelernt oder studiert. Vielleicht hätte ich als Lehrerin versucht, meine Begeisterung für diese Fächer weiterzugeben.

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