Was sind Hitzewellen?

Mika und ich haben uns die Fotos von unserer Spanienreise im letzten Sommer angesehen. Ein Bild aus Madrid hat sofort unsere Aufmerksamkeit erregt. Der strahlende Sonnenschein, der leere Spielplatz und die Art, wie wir in die Kamera blinzelten, erinnerten uns daran, wie heiß es an diesem Tag gewesen war.

Die Sonne brannte auf den Spielplatz und ließ die Metallrutschen glühen. Wir hatten uns schnell in den Schatten eines riesigen Baumes geflüchtet, und die kalten Schlucke aus unseren Wasserflaschen schmeckten wie das Beste auf der Welt.

Ich kann mich noch gut an das Gespräch erinnern, das wir dort geführt hatten.

„Ich fühle mich wie ein schmelzendes Eis am Stiel“, seufzte Mika und wischte sich die Stirn ab. „Ist es in Madrid immer so heiß oder ist die Sonne heute wütend auf uns?“

Ich lachte, obwohl ich die Hitze auch spürte. „Es ist eine Hitzewelle, Mika. Mein Großvater sagt, dass sie früher selten waren, aber jetzt kommen sie zu oft und bleiben viel zu lange.“

„Was genau ist eine Hitzewelle eigentlich?“, fragte Mika und fächelte sich mit seinem Notizbuch Luft zu. 

„Es gibt tatsächlich eine Definition“, antwortete ich. „Es reicht nicht aus, dass es sich heiß anfühlt. Wissenschaftler sprechen normalerweise von einer Hitzewelle, wenn die Temperatur drei oder mehr Tage hintereinander ungewöhnlich hoch bleibt, verglichen mit dem, was für diesen Ort normal ist.“

Mika nickte.

„Wenn es also in London 35 °C warm ist, ist das eine riesige Hitzewelle, weil die Menschen dort an kühleres Wetter gewöhnt sind. Aber in Sevilla würde man das vielleicht einfach als einen normalen Dienstag bezeichnen“, erklärte ich weiter.

 

Treten Hitzewellen nur im Sommer auf? Heißt das, dass wir im Winter sicher sind?“, fragte Mika hoffnungsvoll.

„Meistens ja“, sagte ich. „Hitzewellen treten normalerweise im Sommer auf. Aber da sich der Planet erwärmt, kommt es manchmal auch im späten Frühjahr oder sogar im frühen Herbst zu Hitzewellen. Die wirklich intensiven, bei denen man das Gefühl hat, alles würde schmelzen, treten jedoch im Sommer auf.“

Mika blickte auf den Spielplatz, wo die Hitze über dem Asphalt fast wie Feuer wirkte. Er war erleichtert, dass sein Hotelzimmer eine Klimaanlage hatte.

 

„Was haben die Menschen früher gemacht, bevor es Ventilatoren und Klimaanlagen gab?“, fragte er.

„Früher hatten die meisten Häuser keine Klimaanlage, und die alten Steinhäuser speicherten die Hitze wie Öfen. Die Menschen fühlten sich erschöpft und besorgt, und außerdem verloren viele Bauern ihre Ernte“, antwortete ich.  „Und jetzt passiert das immer öfter. Der Klimawandel ist wie ein Lautstärkeregler für die Temperatur des Planeten. Er erhöht die normale Sommerhitze. Die Atmosphäre speichert aufgrund von Treibhausgasen mehr Wärme, sodass Hitzewellen länger, heißer und häufiger werden.“

Mika nahm einen weiteren Schluck aus seiner Flasche.

„Ich bin müde, aber eigentlich geht es mir noch ganz gut“, sagte er. „Aber ich habe eine alte Dame gesehen, die in der Nähe des Spielplatzes zu kämpfen hatte.“

„Das liegt daran, dass Hitze Menschen unterschiedlich stark beeinflusst“, erklärte ich. Bei älteren Menschen kühlt der Körper nicht so schnell ab wie bei jüngeren. Und es ist wichtig, dass wir während Hitzewellen aufeinander achten.

„Und wie sieht jetzt unser Plan aus?“, scherzte Mika. „Sollen wir einfach für immer unter diesem Baum leben?“

Ich lachte. „Nun, es gibt Dinge, die die Menschen jetzt tun können, und Dinge, die wir für die Zukunft tun können. Tagsüber können Rollläden oder Vorhänge geschlossen werden, um die Sonne abzuhalten und öffentliche Räume zu kühlen. Städte können Bibliotheken oder öffentliche Gebäude öffentlich zugänglich machen, damit sich die Menschen dort abkühlen können. Für die Zukunft können wir mehr Bäume pflanzen, da sie natürliche Klimaanlagen sind.“

Mika sah mich mit einem verwirrten Lächeln an. „Ich kann doch nicht alleine einen ganzen Wald pflanzen, Mia?“

„Mehr als du denkst“, lächelte ich. „Kleine Taten von vielen Menschen können einen großen Unterschied machen.“ Ich erklärte weiter, dass wir Energie sparen können, indem wir Lampen und Elektrogeräte ausschalten, wenn wir sie nicht benutzen. Wir sollten daran arbeiten, ein Bewusstsein für den Klimawandel zu schaffen. Wenn die Menschen den Klimawandel verstehen, kümmern sie sich mehr um seine Lösung. An einem heißen Tag kann es eine große Hilfe sein, eine kleine Schüssel mit Wasser für Vögel und Bienen draußen stehen zu lassen.

„Das mit der Wasserschüssel kann ich auf jeden Fall machen“, sagte Mika. Dann schauten wir beide auf das alte Foto aus Madrid und lachten. „Und nächstes Mal“, fügte Mika hinzu, „bringen wir zwei Flaschen Wasser mit.“ „Oder drei“, sagte ich. „Und vielleicht etwas Limonade.“

 

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Text: Awadhesh Pant, Illustration: Patrizia Schoch, Übersetzung: Sophie Vliegen

 

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